Jugendinformations- und Medienzentren ohne Finanzierung vor dem Aus?
Gewalt in Computerspielen, Mediensucht, Datensicherheit in virtuellen Netzen, Jugendmedienschutz – diese und andere Themen gewinnen in einer durch und durch medialisierten Welt immer größere Brisanz. Junge Menschen erfahren Medien heute als Instrumente von Unterhaltung, Kommunikation und Information in einem Maße, die wesentlich zu ihrer Orientierung und Identitätsbildung beitragen können. Politik und Schulpädagogik halten für die damit verbundenen Chancen und Risiken bislang nur unzureichende Antworten bereit.
Die Landesarbeitsgemeinschaft Multimedia Brandenburg (LAG Multimedia) als medienpädagogischer Fachverband in der Jugendarbeit engagiert sich seit fast vier Jahren für den Aufbau nachhaltiger medienpädagogischer Strukturen im Land. Diese Standorte der aktuell elf Jugendinformations- und Medienzentren (JIM) sind im außerschulischen Bereich angesiedelt und üben Dienstleistungsfunktionen auch im Rahmen von Kooperationen mit Schulen aus. JIM sind in der Regel Jugendfreizeiteinrichtungen mit medienpädagogischem Profil. Ein offener Internetbereich zählt zum Standard, Medienkurse, -Arbeitsgemeinschaften und -Projekte ergänzen das Angebot.
Alle Bemühungen der LAG Multimedia, die JIM auf Landkreisebene strukturell zu verankern, sind bislang gescheitert. Das für Jugend zuständige Ministerium sieht sich als nicht zuständig an. Die Landkreise klagen über fehlende Budgets. Die Staatskanzlei, federführend für die Medienanstalt Berlin-Brandenburg, die laut Staatsvertrag die Förderung von Medienkompetenz in ihrem gesetzlichen Auftrag hat, als auch das für die Förderung nach dem Europäischen Sozialfonds zuständige Sozialministerium sehen keine Fördermöglichkeiten.
In den Wahlprogrammen der aktuellen Regierungsparteien im Land Brandenburg findet Medienkompetenzförderung schlicht nicht statt. Dies ist vor dem Hintergrund von jüngst herausgegebenen politischen Leitlinien der EU-Kommission zur Förderung von Medienkompetenz der EU-Bürger verwunderlich.
Dazu erklärt Bernd Mones, Vorstandsvorsitzender der LAG Multimedia: „Den über die Jahre wortreichen Bekenntnissen der Politik zur Wichtigkeit der Förderung von Medienkompetenz junger Menschen sind bislang auf der Arbeitsebene der JIM keine Taten gefolgt. Beratungsanfragen durch Schule und Eltern haben enorm zugenommen, die finanzielle und personelle Ausstattung der JIM wird jedoch weiterhin durch politische Kompetenzgerangel blockiert. Das liegt vielleicht auch daran, das Brandenburgs Politiker laut einer Studie Internetmuffel sind.“
Der Vorstand der LAG Multimedia fordert deshalb von der Landesregierung eine medienpädagogische Bildungsoffensive, die die außerschulischen Kompetenzen der JIM berücksichtigt und die Vermittlung von medienpädagogischem Methodenwissen in der Lehramtsausbildung sowie in Lehrerfortbildungen integriert.
Unter Medienkompetenz wird die Fähigkeit verstanden, die Medien zu nutzen, die verschiedenen Aspekte der Medien und Medieninhalte zu verstehen und kritisch zu bewerten sowie selbst in vielfältigen Kontexten zu kommunizieren. Medienkompetenz betrifft alle Medien: Film und Fernsehen, Hörfunk und Musik, die Printmedien, das Internet und alle anderen digitalen Technologien.
Zum pdf-Download der Presseerklärung
Weiterführende Informationen
Die LAG Multimedia hat ein Positionspapier „Medienpädagogik als Querschnittsaufgabe in der Kinder- und Jugendbildung“ vorgelegt, abrufbar unter: www.lag-multimedia.de/category/positionen/
Das Medienpädagogische Manifest „Keine Bildung ohne Medien!“ zum Download unter www.lag-multimedia.de/?attachment_id=215
Leitlinien der EU-Kommission zur Medienkompetenzförderung unter http://ec.europa.eu/avpolicy/media_literacy/docs/recom/c_2009_6464_de.pdf
Zu den Verfassern der Studie „Politische Kommunikation im web 2.0“ www.WeisseQ.com/Politische-Kommunikation/
