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24. Mai 2011 um 09:00 · Abgelegt unter Allgemein, Bildungspolitik, Positionen, Vorstand LAG Multimedia

Die Landesarbeitsgemeinschaft Multimedia Brandenburg als medienpädagogischer Fachverband in der Jugendarbeit nahm am 24. Mai 2011 an der Expertenanhörung auf Einladung des Bildungsministeriums im Rahmen der Entwicklung einer Medienkompetenzstrategie für das Land teil. Das Statement der LAG Multimedia steht nachfolgend zum Download bereit.
Statement “Digitale Jugendbildung”
08. Februar 2011 um 08:49 · Abgelegt unter Allgemein, Bildungspolitik, Positionen
Eine kurze Zusammenfassung von Jürgen Ertelt
Der JMStV und die Medienpädagogik
Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) sollte zum 1. Januar 2011 novelliert werden. Die entsprechende Entwurfsfassung wurde durch die Ministerpräsidentenkonferenz ausgehandelt und lag als intraföderaler Staatsvertrag den einzelnen Länderparlamenten im Laufe des Jahres 2010 zur Abstimmung vor.
Die Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages [1] ist kurz vor Ablauf der Ratifizierungsfrist im Dezember 2010 gescheitert. Gut so. Das aktuelle Interesse an dem Thema und die damit verbundene Möglichkeit zur breiten Diskussion sollte nun genutzt werden, um alle Betroffenen an einer grundsätzlichen Reformierung des Jugendmedienschutzes zu beteiligen.
Kritik an der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag-Novellierung
Die Kritik (unten verlinkt) am abgelehnten Novellierungentwurf des JMStV zeigt, welche Probleme jetzt dringend diskutiert werden müssen:
* Der klassische Rundfunk-Begriff mit seiner Sender/Empfänger-Trennung darf nicht kurzsichtig auf das interagierende Internet übertragen werden: Die kommunikativen Besonderheiten des Internets, an dem sich jeder als Sender und Empfänger beteilligen kann, müssen berücksichtigt werden.Sendezeitsperren sind in der globalen Internet-Struktur mit unterschiedlichen Zeitzonen nicht zielführend.
* Netzsperren durch lokale Filterprogramme bieten keinen echten Jugendschutz. Blacklists und Whitelists sind technisch über Proxys (Zwischenspeicher, die die Anzeige von Webseiten umleiten) umgehbar [2]. Gesetze dürfen aber Erziehungsberechtigten keine Sicherheit suggerieren, die de facto durch die Regelung gar nicht gewährleistet wird.
* Alterseingruppierungen durch Inhalte-Anbieter können ohne besondere Qualifizierung nicht erbracht werden. Sie führen zudem zu Overblocking (Labeling für eine höhere Altersstufe) und zu Chilling-Effects (Verzicht auf Veröffentlichung) und damit zu Netzkultur-Verlust. Die im JMStV-Entwurf ausgesprochene Freiwilligkeit zur Kennzeichnung war faktisch im Grunde nicht gegeben.
* Auf das Internet zielende Jugendschutzregelungen dürfen Jugendmedienarbeit nicht behindern, kommerzielle Anbieter dürfen nicht bevorzugt werden und Lobby-Interessen dürfen nicht das Regulat des Jugendschutzes sein. Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur fragte in ihrer Resolution zum JMStV [4] zu Recht: “Wird die Jugendmedienarbeit durch den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag zukünftig behindert?” Der Entwurf ließ ein Zweiklassen-Netz zugunsten kommerzieller Anbieter befürchten. Eine solche Kommerzialisierung des Netzes durch Bevorzugung geschäftlicher Anbieter liefe den Ansprüchen der freiheitlichen Nutzung des Internets zuwider und muss daher in der zukünftigen Diskussion ausgeschlossen werden.
* Vertragsfindungsverfahren müssen öffentlich einsehbar sein und alle betroffenen Akteure sinnvoll einbinden. Das Verfahren zum JMStV war kaum transparent und für Laien nicht nachvollziehbar. Selbst juristisch fundierte visualisierte Interpretationen [3] konnten die Komplexität des Entwurfs nicht auffangen.Eine Einbeziehung der eigentlich Betroffenen – Eltern, Jugendliche, privat publizierende Nutzer und deren Interessenvertreter – erfolgte nicht. Ebenso wurden die Parlamente erst spät einbezogen, ein politischer Willensbildungsprozess wurde durch einen bürokratischen Vorgang ersetzt.
* Die bestehende Gesamtsituation muss realistisch betrachtet und analysiert werden. Es gibt im Netz natürlich viele Seiten, die als “entwicklungsbeeinträchtigend” qualifiziert werden können. Von denen sind aber die allerwenigsten mit den Instrumentarien des nationalen Jugendmedienschutzrechts erfassbar: Ob aufgrund des deutschen Jugendmedienschutzes Webseiten mit einer Alterskennzeichnung oder einer “Sendezeitbeschränkung” versehen werden oder nicht, ist im globalen Netz unerheblich. Solche Regelungen dienen eigentlich nur dazu, in der Öffentlichkeit den Anschein thematisch-politischer Tätigkeit zu erwecken. Um echten, wirksamen Jugendschutz geht es aber nicht.
Aus diesen Punkten wird deutlich, dass für einen wirksamen, zukunftsorientierten Jugendschutz technische Entwicklungen und die Dimension des Globalen viel stärkere Berücksichtigung finden muss.
Das Aufstellen hoher gesetzlicher Hürden ist zu vermeiden, damit Kinder und Jugendliche nicht ins Stolpern geraten. Vielmehr muss es darum gehen, jungen Menschen ein verantwortliches Aufwachsen im und Wachsen mit dem Netz zu ermöglichen.
Ablehnung des JMStV ist ein Sieg der Vernunft
Die Ablehnung der Novelle des JMStV war ein erster Sieg der Vernunft. Um eine wirklich zukunftstragende Lösung zu erarbeiten, sind einige weitere Punkte in die weitere Diskussion mit einzubeziehen.
So wirft eine politische Betrachtung des Geschehenen auch grundsätzliche Fragen zum staatlichen Verständnis des in der Verfassung verbrieften Jugendschutzes auf:
Diskutiert werden müsste angesichts der Globalität des Netzes die Frage, wer eigentlich für diesen Themenkomplex zuständig sein und auf welcher Ebene hier Entscheidungen getroffen werden sollen.Ist es ratsam, Jugendmedienschutz als Staatsvertrag zu regulieren, der in aller Regel von den Länderparlamenten weder umfassend diskutiert noch geändert, sondern nur abgenickt werden kann?
Neben dem sich hieraus ergebenden Demokratiedefizit ist auch auch ein Mangel an beratender Expertise im Vorfeld ersichtlich:
So beinhalteten sämtliche im Entwurf geforderten Regulierungen keinerlei schlüssige und nachvollziehbare Quellen dazu, welche Inhalte in welcher Form überhaupt auf die geistig-seelische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen Einfluss nehmen. Sie stützen sich auf vage Behauptungen und darauf, dass andere Staaten damit bereits erfolgreich seien. Ausreichend belegt ist regelmäßig nichts von beidem.
Völlig an der Realität vorbei ging im nunmehr abgelehnten Entwurf außerdem die Umdefinierung des Erziehungsauftrags – weg von dem grundgesetzlich verankerten Elternrecht und -pflicht: Mit dem Entwurf sollten nun aber statt der Eltern die Anbieter von Medieninhalten in Verantwortung gebracht werden und ihre Angebote beschneiden.
Es wird hier eine fragwürdige Rechtslage hergestellt, noch dazu, ohne die in die Verantwortung Gezogenen in die Ausgestaltung des Gesetzes mit einzubeziehen.
Jugendschutz im Internet – Kluge Strategien für ein sicheres Netz
Förderung von Medienkompetenz darf nicht als Reparaturbetrieb des Jugendschutzes gesehen werden. Aufgabe der Medienkompetenz-Förderung ist nicht das Beschneiden von Rechten, sondern das Fördern kreativer Potenziale, die technische, inhaltliche und gesellschaftliche Innovationen hervorbringen.
Medienkompetenz-Stärkung ist eine Notwendigkeit in der pädagogischen Arbeit. Angebote, die die Kompetenz zur kritischen Auseinandersetzung mit Inhalten und gesellschaftlichen Fragestellungen stärken, müssen immanenter Bestandteil des Jugendschutzes sein und untrennbar in einem zukünftigen Jugendmedienschutz-Gesetz als Verpflichtung verankert werden.
Die Adressaten der Medienkompetenz-Vermittlung sind bei der Aufstellung gesetzlicher Regeln stets einzubeziehen. Medienpädagogik muss dafür Sorge tragen und Lobby für Kinder und Jugendliche sein.
Einen tragenden, effektiven Schutz vor entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten bietet nicht die Unterdrückung dieser Inhalte, sondern ein verantwortungsvolles, gemeinschaftliches und respektvolles Miteinander zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, auch in Medienfragen. Das ist anstrengend – aber nachhaltig. Technische Lösungen können qualifizierte Erziehung nicht ersetzen.
Es gibt bereits gute Ideen für modernen Jugendmedienschutz. So könnten Community-gestützte Crowdsourcing-Modelle offene und transparente Dienste für Jugendliche und ihre Eltern sein: Empfehlungen sind besser als Verbote. Dialoge vermeiden Verordnungen. Informationelle Selbstbestimmung braucht keine Selbstzensur.
Sich mutig für neue Wege zu öffnen ist der beste Schritt nach vorn, um sich von nicht-funktionalen Filtern zu verabschieden und chancenorientiert das Internet als Lernort zu realisieren. Kinder, Jugendliche und Eltern, die ernsthaft partizipieren können, werden selbstgewähltem Jugendschutz mit hoher Akzeptanz begegnen. Damit ist die eigentliche Absicht, einen gesellschaftlich getragenen ethisch-moralischen Diskurs zu eröffnen, konstruktiv angegangen. Jugendschutz als Verfassungsauftrag bekommt endlich die stabile Basis, die dem vordergründigen Anliegen der jetzt gescheiterten JMStV-Novelle verloren gegangen ist.
Links
(1) http://www.telemedicus.info/article/1878-Lesefassung-des-Jugendmedienschutz-Staatsvertrags-2011.html
(2) http://www.achim-mueller.org/images/jmstv_piraten.pdf
(3) http://spreerecht.de/jugendschutz/2010-12/flow-chart-zum-neuen-jugendmedienschutz-staatsvertrag-jmstv
(4) http://gmkblog.de/?p=393
* AK-Zensur
* Netzpolitik-Blog
* Internet-Law – Blog
* Pottblog
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13. Dezember 2010 um 13:20 · Abgelegt unter Allgemein, Positionen, Vorstand LAG Multimedia
Der Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft Multimedia Brandenburg hat am 13. Dezember 2010 – zwei Tage vor der geplanten Ratifizierung der aktuellen Novelle des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages durch das Landesparlament – dem Ministerpräsidenten Matthias Platzeck einen Offenen Brief übergeben mit folgendem Wortlaut:
Ratifizierung Jugendmedienschutz-Staatsvertrag aussetzen
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Platzeck,
am kommenden Mittwoch ist die parlamentarische Verabschiedung des Gesetzentwurfs der Landesregierung Brandenburg zum Vierzehnten Staatsvertrag zur Änderung rundfunkrechtlicher Staatsverträge vorgesehen. Als medienpädagogischer Fachverband im Land wollen wir Ihnen gegenüber unsere größten Bedenken hinsichtlich der Verabschiedung des Vertrages zur Kenntnis geben.
Der JMStV-E birgt eine Vielzahl eklatanter Unzulänglichkeiten, denn er
- macht den Versuch, die in bisherigen Medien wie Film und Fernsehen etablierten Regeln auf das Internet zu übertragen. Dieses ist jedoch auf Grund der globalen Dezentralität des Netzes nicht durch nationale Regelungsversuche zu beeinflussen und von daher aus unserer Sicht zum Scheitern verurteilt,
- täuscht eine Stärkung des Jugendschutzes vor, wird de facto jedoch sogar zu einer Schwächung des Jugendschutzes im Internet führen, und entlässt Eltern so aus ihrer Verantwortung, denn es ermöglicht großen (insbesondere von der FSM vertretenen) Anbietern, jugendgefährdende Inhalte (Filme und Spiele) im Internet einfacher und mit niedrigerer Hürde anzubieten als bisher. Er unterstützt also den Vertrieb von gewalttätigen und pornografischen Filmen, führt aber gleichzeitig höhere und neue Hürden für kleine und private Anbieter ein,
- schafft unkalkulierbare Risiken beispielsweise für Blogger und innovative Projekte im Web 2.0,
- bringt kein medienpädagogisches Konzept mit,
- schadet nachhaltig dem IT-Standort Deutschland durch unklare Vorgaben und die Tatsache, dass im Ausland gehostete Webangebote nicht betroffen sind,
- führt nach jahrelanger Planung zum 1. Januar 2011 die Kennzeichnung von Webseiten mit Altersstufen ein, definiert aber bis heute keinerlei technische Richtlinien dazu,
- versucht in einem weltweiten Medium mit unterschiedlichen Moralvorstellungen zu definieren, was für zwölfjährige Kinder tauglich ist oder ihre Entwicklung beeinträchtigen könnte,
- ist ein kompliziertes, mehrdeutiges und unverständliches Gesetzeswerk.
Entgegen der üblichen politischen Praxis wurden im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens zum JMStV nicht alle relevanten Fachverbände gehört, deren Strukturen in der alltäglichen Arbeit von der anstehenden Novelle unmittelbar betroffen sind. Auch in Brandenburg haben es Politik und Verwaltung versäumt, sich den hiesigen fachpolitischen Rat einzuholen.
Der Vorstand der LAG Multimedia Brandenburg unterstützt deshalb die Resolution des Vorstands der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK), die eine vorübergehende Aussetzung des Ratifizierungsverfahrens fordert, um unter Einbeziehung medienpädagogischer Expertise über die praktischen Folgen und Veränderungen des JMStV zu beraten.
Wir weisen darauf hin, dass mit der Ratifizierung des Staatsvertrags die Bemühungen und das Eintreten für einen angemessenen und pädagogisch sinnvollen, präventiven Umgang mit dem Internet ad absurdum geführt und erheblich erschwert werden.
Die Folgen werden sein, dass hiesige internetbasierte medienpädagogische Projekte, die der Ausbildung von Medienkompetenz und dem selbstbestimmten altersgerechten Umgang mit den neuen Medien dienen, nun erhebliche zusätzliche Ressourcen benötigen, um dem neuen JMStV in vollem Umfang gerecht werden.
Erste Träger haben bereits angekündigt, Webprojekte aus Sorge um ihre juristische Anfechtbarkeit mit Inkrafttreten des neuen JMStV vorsorglich zum 31. Dezember 2010 einzustellen. Das kann nicht im Interesse von (medien)pädagogischen Fachkräften, nicht im Interesse der demokratischen Willensbildung, nicht im Interesse des Landes Brandenburg sein.
Bernd Mones
Für den Vorstand der LAG Multimedia Brandenburg
Anlage: Resolution GMK www.gmk-net.de/fileadmin/pdf/resolution_des_gmk-vorstands_zum_jugendmedienschutzstaatsvertrag.pdf
Download Offener Brief
06. Dezember 2010 um 14:15 · Abgelegt unter Allgemein, Positionen
Der Vorstand der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) spricht sich dafür aus, dass der aktuelle Novellierungsprozess des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags vorübergehend ausgesetzt wird, um eine Reihe grundlegender Probleme mit betroffenen, relevanten gesellschaftlichen Institutionen ausführlicher zu diskutieren und zu bewerten. Der GMK-Vorstand steht hinter den Bemühungen, Kinder und Jugendliche vor entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten und Angeboten im Netz zu schützen. Es gilt aber zu klären, ob der geplante, im Gesetz verankerte, technische Jugendmedienschutz z.B. über Filtersoftware im Internet einen erzieherischen Jugendmedienschutz und eine damit einhergehende Förderung von Medienkompetenz junger Menschen nicht entgegenläuft. Der volle Wortlaut der Resolution steht unter folgendem Link zur Verfügung:
www.gmk-net.de/fileadmin/pdf/pressemitteilung_resolution_gmk_031210.pdf
Die LAG Multimedia Brandenburg ist Mitglied der GMK.
11. Juni 2010 um 08:08 · Abgelegt unter Allgemein, Bildungspolitik, Positionen, Pressemitteilungen
Eine hochkarätig besetzte Expertenkommission beim Bundesministerium für Bildung und Forschung hat einen Bericht verfasst zur Medienbildung “Kompetenzen in einer digital geprägten Kultur”. Das Dokument steht unter www.bmbf.de/pub/kompetenzen_in_digital_kultur.pdf zum Download bereit.
08. September 2009 um 09:36 · Abgelegt unter Allgemein, Bildungspolitik, Positionen
Gewalt in Computerspielen, Mediensucht, Datensicherheit in virtuellen Netzen, Jugendmedienschutz – diese und andere Themen gewinnen in einer durch und durch medialisierten Welt immer größere Brisanz. Junge Menschen erfahren Medien heute als Instrumente von Unterhaltung, Kommunikation und Information in einem Maße, die wesentlich zu ihrer Orientierung und Identitätsbildung beitragen können. Politik und Pädagogik halten für die damit verbundenen Chancen und Risiken bislang nur unzureichende Antworten bereit.
Die Landesarbeitsgemeinschaft Multimedia Brandenburg (kurz: LAG Multimedia) unterstützt deshalb das „Medienpädagogische Manifest“ von zentralen medienpädagogischen Institutionen in Deutschland – namentlich die Kommission Medienpädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, die Fachgruppe Medienpädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK), das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis sowie das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung. Die Unterzeichner des Manifests fordern u.a. „eine medienpädagogische Grundbildung als verbindlichen Bestandteil der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte, verstärkte Anstrengungen in den Einrichtungen der Elementarpädagogik, der Schule sowie in der Jugend-, Familien- und Elternbildung. Nachhaltig auszubauen ist die Medienpädagogik an den Hochschulen, um einer qualitativ hochwertigen Forschung und Reflexion über die Medien das notwendige Gewicht zu geben.“
Im Land Brandenburg sind medienpädagogische Strukturen und medienpädagogisches Handeln nur in Ansätzen – und überwiegend in außerschulischen Kontexten – zu verzeichnen. In Schule hat sich Medienpädagogik als Querschnittsaufgabe für alle Fächer bislang nicht durchgesetzt. Fast alle medienpädagogischen Aktivitäten im außerschulischen Bereich sind projektfinanziert.
So koordiniert die LAG Multimedia das Netzwerk der Jugendinformations- und Medienzentren (kurz: JIM), ein informeller Zusammenschluss von derzeit elf außerschulischen Einrichtungen der Jugendarbeit und Jugendbildung mit medienpädagogischem Profil. In diesem Zusammenhang steuert die LAG Multimedia die Qualitätsentwicklung der medienpädagogischen Arbeit im Netzwerk. Ziel ist die Etablierung von mindestens einer medienpädagogischen Netzwerkstelle je Landkreis und kreisfreier Stadt. Permanente Qualifikationsangebote für die medienpädagogisch tätigen Fachkräfte stellen sicher, der großen Dynamik in der Entwicklung der Medien gewachsen zu sein.
Als weiterer Akteur bietet die Aktion Kinder- und Jugendschutz, Arbeitsstelle Brandenburg im Rahmen einer Projektfinanzierung für Multiplikatoren Qualifikationen zum sog. „Eltern-Medien-Trainer“ an, um in der Elternarbeit auf die mit der rasanten Entwicklung der Medien und den damit verbundenen problematischen Nutzungsmöglichkeiten entstandenen neuen Unsicherheiten adäquat reagieren zu können.
Neben der zweifelsfreien Notwendigkeit des langfristig wirkenden Auf- und Ausbaus von medienpädagogischen Ausbildungskonzepten im Rahmen der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern, Lehrerinnen und Lehrern sowie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sieht die LAG Multimedia jedoch auch kurz- bis mittelfristig erhebliche Handlungsbedarfe bei der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Zusammenhang mit Medien. Der Vorstand des Fachverbandes schlägt hierfür einen Zwei-Säulen-Plan vor:
1. Bezugsrahmen Außerschulische Jugendbildung
Schaffung nachhaltiger dezentraler Strukturen, die die medienpädagogische Vernetzung in und zwischen den Landkreisen koordinieren.
- Die regionale Koordination kann über die bestehenden bzw. im Aufbau befindlichen JIM-Strukturen erfolgen und Strukturen wie Ressourcen der LAG Multimedia nutzen. Ziele sind:
a. Förderung der Fachkräftequalifikation
b. Beratungsleistungen für Jugendliche, Jugendhilfe, Eltern, Schule
c. Steuerung von medienpädagogischer Projektarbeit
d. Landkreisübergreifende Kooperation und Beteiligung an landesweiten Medienprojekten
e. Förderung von Kooperationen zwischen Schule und außerschulischen Einrichtungen auf medienpädagogischem Feld
- Die regionale Koordination bündelt weitere Initiativen und Projekte, die einen medienpädagogische Multiplikatorenfunktion ausüben (z.B. Eltern-Medien-Trainer)
Die Finanzierung der Netzwerkstellen ist entsprechend ihrer auf die einzelnen Landkreise zugeschnittenen Dienstleistungen zu gestalten. Dienste von landesweiter Bedeutung sollten weitestgehend von der Landesebene getragen werden.
2. Bezugsrahmen Schule
Das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) entwickelt ein Ausbildungskonzept mit dem Ziel, je Schule mindestens eine Lehrkraft in medienpädagogischen Methoden zu qualifizieren. Die Lehrkraft wird befähigt:
a. den schulischen Lehrkörper in der Anwendung medienpädagogischer Methoden/der Vermittlung von Medienkompetenz im Unterricht zu unterstützen/zu beraten,
b. Projekttage, Praktika und Ganztagsschulangebote mit medienpädagogischem Profil zu steuern und hierfür bedarfsweise außerschulische medienpädagogische Kompetenzen (z.B. der JIM) hinzuzuziehen.
c. beratende Funktionen im Rahmen von Elternmedienarbeit zu übernehmen.
Die Lehrkraft nimmt regelmäßig an weiteren medienpädagogischen Qualifikationen teil, um mit den Chancen und Risiken der Entwicklung der Medien Schritt zu halten.
Medienpädagogik als Querschnittsaufgabe in der Kinder- und Jugendbildung ist eine bildungs- und jugendpolitische Herausforderung, der sich politische Verantwortungstragende im Gespräch mit anderen Akteuren (Schule, Fachverbände, Bildungsstätten, Wirtschaft) dringend stellen müssen. Die LAG Multimedia ist bereit zu diesem Dialog.
Der Vorstand der LAG Multimedia Brandenburg, Juli 2009
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18. Mai 2009 um 14:32 · Abgelegt unter Allgemein, Fortbildungen, Positionen
Eine „Medienpädagogische Zusatzqualifikation für Fachkräfte der außerschulischen Jugendarbeit“ bietet die Landesarbeitsgemeinschaft Multimedia Brandenburg ab September 2009 an. Die Fortbildungsteilnehmenden erhalten mit der Qualifikation eine Grundlagenausbildung, die zum kompetenten Einsatz medienpädagogischer Methoden in der Jugendarbeit befähigt. In fünf Wochenseminaren sowie zwei weiteren Reflexionstreffen sind u.a. Thema: Grundlagen der Medienpädagogik, Projektarbeit mit Foto und Video, webbasierte Soziale Netzwerke und Jugendmedienschutz.
Die Fortbildung mit ca 220 Unterrichtsstunden wird mit ESF-Mitteln gefördert. Der Eigenanteil beträgt max. 950 Euro. Die Maßnahme endet voraussichtlich im Juli 2010 mit einem Abschluss-Colloquium und wird vom Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg sowie der LAG Multimedia zertifiziert.
In Vorbereitung der Qualifikationsmaßnahme findet am 26. Juni 2009 von 10.30 bis 15 Uhr ein Informationstag in Potsdam, Haus der Natur, Lindenstr. 34 (im Hof) statt, auf dem die detaillierten Programminhalte, Dozenten und Rahmenbedingungen vorgestellt werden. Anmeldungen hierfür sind bis zum 19. Juni 2009 möglich unter Nutzung nachfolgenden Formulars.
31. März 2009 um 11:59 · Abgelegt unter Allgemein, Bildungspolitik, Positionen
Vom 19. bis 21. März 2009 fand am Lehrstuhl für erziehungswissenschaftliche Medienforschung (Prof. Johannes Fromme) der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg eine internationale Konferenz zum Thema „Computerspiele / Spieler / Spielkulturen“ statt. Ein wichtiger Punkt ist die kontrovers diskutierte Frage der Computerspiele- und Online-Sucht. Anstatt nur die negativen Aspekte der Computerspiele zu thematisieren, wurde auf der Konferenz betont, dass der kompetente Umgang mit Computerspielen, aber auch mit Internet, Handy und anderen (digitalen) Medien zu den zentralen Bildungsaufgaben der heutigen Zeit gehört. Zwar wird in der öffentlichen Diskussion häufig beklagt, dass digitale Medien in den Schulen zu wenig für Bildungszwecke genutzt und der öffentliche Bildungsauftrag des Fernsehens immer mehr verloren geht. Doch trotz aller Klagen über ethisch fragwürdige Medienangebote und zunehmenden Datenmissbrauch geschieht faktisch viel zu wenig. Nach wie vor gibt es keine Mediengrundbildung in der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte. Einzelne Modellprojekte und Förderungen sind wichtig, reichen aber nicht aus. Es ist ein krasser Missstand, dass es in der Breite gesehen keine nachhaltig verankerte Medienpädagogik gibt.
Aus diesem Grund haben sich die wichtigsten Fachverbände und Einrichtungen im Bereich der Medienpädagogik zusammengetan und ein Medienpädagogisches Manifest formuliert. Sie fordern eine medienpädagogische Grundbildung als verbindlichen Bestandteil der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte, verstärkte Anstrengungen in den Einrichtungen der Elementarpädagogik, der Schule sowie in der Jugend-, Familien- und Elternbildung. Nachhaltig auszubauen ist die Medienpädagogik an den Hochschulen, um einer qualitativ hochwertigen Forschung und Reflexion über die Medien das notwendige Gewicht zu geben. Einen besonderen Schwerpunkt stellen medienpädagogische Angebote für Heranwachsende aus Migrationskontexten und bildungsbenachteiligten Milieus sowie Angebote zur geschlechtersensiblen Arbeit dar. Medienpädagogik ist im Rahmen kultureller Bildung in der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit erheblich mehr zu fördern.
Die Verfasser/innen des Manifests sehen, dass die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise nicht nur durch kurzfristige Maßnahmen zur Förderung der wirtschaftlichen Nachfrage und der Regulierung der Finanzmärkte überwunden werden kann. So fordern die Unterzeichner/innen des Manifests nachhaltiges bildungspolitisches Handeln: „Wer neue gesellschaftliche Perspektiven – auch für die Wirtschaft – eröffnen möchte, der muss viel deutlicher als in der Vergangenheit auf Wachstum in den Bereichen Bildung und Kultur setzen. Bildung mit und über Medien gehört zentral dazu. In einer Situation, in der nahezu alle Fragen medial kommuniziert werden und gerade junge Menschen sich der Medien für ihre Orientierung und Identitätsbildung bedienen, bedarf es klarer Signale, um Medienpädagogik dauerhaft in allen Bildungsbereichen zu verankern!“ (Prof. Horst Niesyto, PH Ludwigsburg)
Das Manifest wurde am 21. März auf der Abschlussveranstaltung der Magdeburger Konferenz veröffentlicht und steht hier zum Download bereit.